Der grösste Raub der Geschichte? Der 6,3-Milliarden-Dollar-Binance-Angriff
· 20:50 Uhr
Stand: 30. Oktober 2026
Der Titel klingt gewaltig – die Dimension ist es ebenfalls. Nach aktuellem Stand wurde Binance tatsächlich gehackt. Binance selbst beziffert die Auswirkungen auf rund 6,3 Milliarden US-Dollar. Analysefirmen sprechen deshalb vom grössten bekannten Krypto-Diebstahl.
Was ist passiert?
Am Abend des 29. Oktober verliessen innerhalb kurzer Zeit enorme Mengen an Kryptowährungen verschiedene Binance-Wallets. Laut der Blockchain-Analysefirma TRM Labs wurden rund 6,36 Milliarden US-Dollar über zehn Blockchains bewegt – der grösste Teil davon innerhalb von ungefähr 20 Minuten.
Laut einer ersten offiziellen Mitteilung von Binance wurde vermutlich der Laptop eines DevOps-Mitarbeiters kompromittiert. Dadurch soll der Angreifer Zugriff auf einen Service-Container erhalten und nicht autorisierte Auszahlungen ausgelöst haben. Hinweise auf ein Leck der privaten Wallet-Schlüssel habe Binance bisher nicht gefunden. Ein vollständiger technischer Bericht soll folgen.
Einfach nur ein Passwort erraten?
Ganz so simpel sieht es nicht aus. TRM Labs beschreibt einen offenbar gut vorbereiteten Angriff auf die technische Signatur- und Wallet-Infrastruktur. Auf Ethereum seien unter anderem 50 vorab signierte Autorisierungen eingesetzt worden. Auf weiteren Blockchains liefen gleichzeitig gewöhnlich signierte Überweisungen ab.
Das klingt weniger nach einem zufälligen Glückstreffer und mehr nach einem sorgfältig vorbereiteten Angriff, bei dem interne Systeme oder Zugriffswege missbraucht wurden. Welche Schwachstellen tatsächlich entscheidend waren, lässt sich aber erst nach dem angekündigten Abschlussbericht seriös sagen.
Wer war es?
TRM Labs ordnet den Angriff mit hoher Sicherheit der nordkoreanischen Hackergruppe TraderTraitor zu. Auch Elliptic hält Akteure mit Verbindung zu Nordkorea für wahrscheinlich und sieht Ähnlichkeiten zu früheren Angriffen der Lazarus-Gruppe.
Wichtig: Das sind starke Einschätzungen von spezialisierten Analysefirmen, aber noch kein abschliessend bestätigtes Ermittlungsergebnis. Binance arbeitet nach eigenen Angaben mit Strafverfolgungsbehörden und Blockchain-Analysten zusammen.
Ist das Geld der Kunden weg?
Nach Angaben von Binance seien die Guthaben der Nutzer sicher. Sämtliche Verluste würden aus dem SAFU-Sicherheitsfonds sowie aus eigenen Firmenmitteln gedeckt. Als Vorsichtsmassnahme wurden Ein- und Auszahlungen zunächst vorübergehend angehalten.
Ein erheblicher Teil der betroffenen Vermögenswerte konnte offenbar bereits eingefroren werden. Je nach Zeitpunkt und Quelle liegen die Angaben zwischen rund 2,7 und 3 Milliarden US-Dollar. Binance nennt ungefähr 3 Milliarden, Elliptic hatte zu seinem letzten Stand 2,84 Milliarden verifiziert. Bei einer laufenden Untersuchung können sich diese Zahlen schnell ändern.
Was sollten Binance-Nutzer jetzt tun?
- Nur offiziellen Mitteilungen von Binance vertrauen.
- Nicht auf angebliche Support-, Rückerstattungs- oder Recovery-Nachrichten reagieren.
- Unbekannte Links, QR-Codes und Direktnachrichten ignorieren.
- Kontositzungen, verbundene Geräte und API-Schlüssel kontrollieren.
- Passkey oder Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren und eine Auszahlungs-Whitelist verwenden.
- Kontobewegungen beobachten und verdächtige Aktivitäten sofort dem offiziellen Support melden.
Unser Fazit
Ja, Binance wurde offenbar gehackt – und die Grössenordnung ist gewaltig. Gleichzeitig ist ein Teil der Gelder bereits eingefroren, und Binance verspricht, die Verluste vollständig zu decken. Entscheidend wird nun der technische Abschlussbericht: Erst dann wissen wir genauer, wie ein kompromittierter Zugang einen derart grossen Abfluss ermöglichen konnte.
Bis dahin gilt: ruhig bleiben, keine dubiosen Links anklicken und nur offizielle Updates beachten. Wir aktualisieren den Beitrag, sobald belastbare neue Informationen vorliegen.
Quellen
- Offizielle Sicherheitsmitteilung von Binance
- Analyse von TRM Labs
- Analyse von Elliptic
- Bericht der Associated Press
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Die Situation entwickelt sich laufend; Zahlen und technische Einschätzungen können sich ändern.