Ist deine KI eine Diva?
· 00:38 Uhr
ChatGPT antwortet plötzlich merkwürdig, stimmt jeder Idee begeistert zu oder schreibt viel mehr als nötig? Dann ist die KI vielleicht nicht kaputt. Vielleicht hat sie einfach Hunger.
Genau mit diesem Gedanken bringt Snickers seine bekannte Werbung in die Welt der künstlichen Intelligenz. Die neue Aktion heisst Hungr.AI und liefert einen digitalen Snickers für den Chat – zumindest nennt die Werbung ihn so.
So bekommt die KI ihren digitalen Snack
Auf der offiziellen Snickers-Kampagnenseite unter snickers.com/hungr-ai gibt es den Knopf „Copy Digital Snickers“. Wer ihn anklickt, bekommt allerdings weder ein Bild noch ein besonderes Programm in die Zwischenablage. Kopiert wird lediglich ein kurzer englischer Satz mit einem Link zur Seite snickers.com/digitalsnickers.
Fügt man diesen Satz in eine persönliche ChatGPT-Unterhaltung ein, soll ChatGPT den Link besuchen und die dort hinterlegten Anweisungen lesen. Eine eigene Website unter hungr.ai gibt es offenbar nicht – Hungr.AI ist lediglich der Name der Aktion.
Die KI soll daraufhin die vorherige Unterhaltung betrachten, die letzte Frage nochmals beantworten und dabei klarer, direkter und weniger übertrieben freundlich auftreten. Dazu gehört ein kleines Rollenspiel: Nach dem digitalen Snack wirkt der Assistent wieder konzentrierter.
Ein echter Schokoriegel landet dabei natürlich nicht im Computer.
Was technisch dahintersteckt
Hungr.AI repariert kein KI-Modell und beseitigt auch keine Halluzinationen. Der eigentliche Trick steckt auf der verlinkten Webseite: Dort steht ein ausführlicher Prompt mit zusätzlichen Anweisungen für die laufende Unterhaltung. Der kopierte Link dient gewissermassen als Verpackung des virtuellen Riegels.
Vereinfacht gesagt fordert dieser Prompt ChatGPT dazu auf, die vorherige Antwort nochmals kritisch anzusehen und einen neuen Versuch zu machen. Das kann zu einer besseren Antwort führen, garantiert aber nicht, dass jede Aussage danach richtig ist.
Die Idee ist deshalb vor allem eine kreative Werbekampagne. Snickers überträgt den bekannten Gedanken „Du bist nicht du, wenn du hungrig bist“ auf einen KI-Assistenten, der sich gerade wie eine kleine Diva benimmt.
Nicht überall gleich nutzbar
Die offizielle Aktion richtet sich laut Teilnahmebedingungen an volljährige Personen in den USA und ist für die Nutzung in einem persönlichen ChatGPT-Konto vorgesehen. Auch die zeitlich begrenzte Aktion mit echten, über DoorDash gelieferten Riegeln gilt nur in den USA.
Für Leserinnen und Leser in der Schweiz bleibt trotzdem die interessante Idee hinter der Kampagne: Aus einem gewöhnlichen Prompt wird ein digitaler Markenmoment, den praktisch jeder sofort versteht.
Kann ein virtueller Snickers wirklich helfen?
Manchmal reicht bei einer schlechten KI-Antwort bereits eine einfache Aufforderung wie: „Prüfe deine letzte Antwort nochmals kritisch, widersprich mir wenn nötig und antworte kürzer.“
Hungr.AI verpackt genau diesen Gedanken deutlich unterhaltsamer. Statt über Prompt-Technik zu sprechen, gibt man der KI einfach einen Schokoriegel.
Ob die zweite Antwort dadurch tatsächlich besser wird, muss weiterhin der Mensch beurteilen. Die Kampagne selbst weist ebenfalls darauf hin, dass die Antworten von der KI stammen und überprüft werden sollten.
Fazit
Hungr.AI ist keine technische Revolution und kein Heilmittel gegen erfundene Antworten. Es ist eine clevere, selbstironische Werbeidee, die einen bekannten Slogan überraschend gut in die KI-Zeit überträgt.
Und wenn ChatGPT das nächste Mal aus einer einfachen Frage zwölf Absätze, drei Tabellen und eine Checkliste macht, wissen wir wenigstens, woran es liegen könnte.
Die KI braucht vielleicht einfach einen Snack.